Mittwoch, 03.06.09

Es ist an der Zeit, dass ich euch mal wieder n bisschen was über mein Leben hier erzähle. Es passiert einfach immer so schrecklich viel und ich komme dann irgendwie nicht direkt dazu das niederzuschreiben. Muss mir mal was anderes einfallen lassen. Vielleicht mal Zettel und Stift mit mir führen J.

Ganz allgemein kann ich sagen, dass es mir hier immer besser gefällt. Ich habe mittlerweile einige Kontakte geknüpft (auch kenianische), was ja wirklich für das allgemeine Befinden von erheblicher Bedeutung ist. So hat man einfach Leute, mit denen man was unternehmen kann und sitzt nicht gelangweilt im Zimmer herum. Für die nächsten Wochen(-enden) habe ich schon viele Pläne geschmiedet, damit ich die Zeit hier auch wirklich gut nutze, um Land und Leute näher kennenzulernen.

Aah, gerade wo ich euch schreibe, ist mal wieder der Strom ausgefallen *lach. Das passiert hier auch dann und wann mal. Dann ist wirklich alles düster, keine Straßenlampe leuchtet mehr. Ich glaube, es ist nicht zu empfehlen sich dann draußen aufzuhaltenJ. Genauso mit dem Wasser, das haben wir hier auch schon längst nicht jeden Tag. Unser Hausmädchen erzählte, dass es in der Regel von Sonntags Abends bis Mittwochs Mittags kein Wasser gibt. Damit man dann nicht ganz ohne da steht, wird vorher, ist denn welches verfügbar, Wasser in einer Tonne von Größe einer Regentonne gesammelt und dieses dann über die Tage rationiert. Anfangs ist das ne ganz schöne Umstellung, auch das kein Wasser aus den Wasserhähnen kommt, aber man gewöhnt sich echt dran bzw. man stellt sich drauf ein.

Ich habe jetzt auch schon ‚lustige‘ Geschichten über andere Freiwillige gehört, die echt wochenlang d.h. bis zu ein, zwei Monaten nicht geduscht haben. Das aber nicht etwa, weil es kein Wasser gegeben hätte, sondern einfach, weil die sich nicht waschen wollten. Sehr komisch find ich das. Ekelig. Na ja, zu dieser Gruppe zähle ich glücklicherweise nicht ;-).

Geburtstagsparty

Am vorletzten Wochenende war ich auf ner tollen Party eingeladen. Ein anderer deutscher Freiwilliger (von dem ich übrigens auch schon vor meiner Ankunft hier den Blog gelesen habe) hat Geburtstag gefeiert. Er arbeitet im Go Down Arts Center hier in Nairobi und hat daher jede Menge Kontakte zu kenianischen Künstlern bzw. Musikern, die dann auf der Party aufgetreten sind. Es gab zum Beispiel zwei Trommler, die afrikanische Musik gemacht haben, dazu tanzte dann eine Kenianerin in Minirock und scharfem bauchfreien Oberteil. Das war interessant anzusehen, zumal dann hinterher viele der Gäste – u.a. auch ich –  mitgetanzt haben J. Dann gab es auch noch eine Metal-Band oder so, aber das interessierte mich nicht, somit habe ich das nicht verfolgt.

Es waren natürlich mal wieder sehr viele Deutsche auf der Party (generell sind hier sehr, sehr viele deutsche Freiwillige in Kenia – unglaublich – für meinen Geschmack schon fast zu viele; es scheint es ziehe hauptsächlich Deutsche in dieses afrikanische Land – warum auch immer), aber auch viele kenianische Gäste waren dort vertreten, was ich wirklich positiv fand. Lokale Kontakte sind sehr wichtig. Mir hat die Party also sehr gut gefallen, was sich dann auch darin äußerte, dass ich erst ungefähr um vier nachts zu Hause war J.  So passierte also wenigstens mal was hier in Kenia.

Eine lustige Geschichte

Am nächsten Tag passierte gleich noch viel mehr… jedoch leider eher weniger positive Dinge. Ich war am Sonntag Abend bei ner anderen deutschen Freiwilligen zum Essen eingeladen. Als ich dann abends um halb elf nach Hause kam, musste ich voller Entsetzen feststellen, dass mein Zimmerschlüssel weg war. Ich hatte ihn verloren. Natürlich besaß meine Hostfamily keinen Zweitschlüssel, sodass ich gezwungen war im Wohnzimmer auf der „Couch“ zu übernachten. Das war’n Mist, sehr unangenehm so’nen Trouble zu verursachen (obwohl ich dazu sagen muss, dass meine Host-Mum super locker reagiert hat, sie hat nur gelacht und mir sogar noch n Nachthemd von sich geliehen J (das ist übrigens noch die selbe Hostfamily wie zu Beginn, habe mich sehr gut arrangiert hier und werde wohl auch bis zum Ende meines Aufenthalts hier wohnen bleiben)). Die Nacht habe ich also im Wohnzimmer ohne Moskitonetz verbracht, Ergebnis waren mindestens 10 Mückenstiche, und am nächsten Tag ging dann die große Suche nach dem Schlüssel los.

Ich marschierte in der Früh, direkt nach dem es hell geworden war,  in meinen kurzen Hosen und im T-Shirt vom Vortag los (es war wirklich kalt an diesem Morgen), um in den Straßen und in jedem Shop, in dem ich den Tag zuvor gewesen war, nach dem Schlüssel zu suchen. Leider vergeblich. Glücklicherweise hatte mir das CIVS-Office schnelle Hilfe zugesagt und nachdem dann auch verschiedene Zimmerschlüssel der Nachbarn (die wir auch noch behelligt hatten, da die Host-Mutter der Ansicht war deren Schlüssel könnten meine Zimmertür öffnen) nicht passten, bestellte dann mein Ansprechpartner vom CIVS den Schlüsseldienst. Das Versprechen binnen von 10 Minuten da zu sein, wurde zu meinem großen Erstaunen sogar eingehalten und so brach der Schlüsseldienst innerhalb von wenigen Minuten meine Tür auf und ich war endlich wieder in meinem Zimmer. Anstatt wie in Deutschland das ganze Schloss auszutauschen und dafür dann noch Wucherpreise zu kassieren, verschwand der Schlosser mit meinem Schloss und kam kurz darauf mit einem genau für dieses Schloss passenden Schlüssel zurück. Das alles hat mich dann umgerechnet 3 Euro gekostet. Im Vergleich zu Deutschland ein wahres Schnäppchen wie ich finde. Das nenn ich mal Service. Mir war das Ganze natürlich schrecklich unangenehm und am Abend hab ich mich dann auch nochmal bei der Gastmutter dafür entschuldigt. Sie fand das alles aber gar nicht schlimm, sondern eher lustig, was natürlich für mich gut war J

Ach so, den größten Knaller habe ich noch vergessen… Am Nachmittag kam mein damaliger japanischer Mitbewohner aus dem Internet-Café zurück und brachte – wer hätte das gedacht – meinen Zimmerschlüssel mit. Echt krass. Ich war ja wie gesagt an diesem Morgen überall gewesen, um nach dem Schlüssel zu suchen. Auch im Internet-Café hatte ich schauen wollen, nur leider stand ich dort vor verschlossener Türe. Danach habe ich dann schlicht und ergreifend vergessen, da dann nochmal nachzufragen. Habe mir fest vorgenommen, dass so etwas nie, nie wieder passieren wird J, war nämlich eigentlich auch wenn’s jetzt hier lustig klingt eigentlich total bescheuert.

Erste Reise

Am letzten Wochenende bin ich dann zum ersten Mal n bisschen rumgereist hier in Kenia. Mit zwei Freiwilligen aus der Schweiz und einer aus Dänemark ging’s auf nach Kisumu um dort Tobias, einen deutschen Freiwilliger, der ziemlich zeitgleich mit mir hier angekommen ist und die ersten Tage mit mir in der Family gelebt hat, zu besuchen. Wir sind freitags morgens los ins City Center und  von dort aus mit dem Reisebus ca. 8 Stunden nach Kisumu gefahren. Das war die erste Möglichkeit für mich mal so’n bisschen die kenianische Landschaft anzuschauen. War wirklich schön (obwohl ich auf der Hinfahrt viel geschlafen hab, da es am Abend zuvor spät geworden war).

Unser Reisebus emotion.

Auf dem Weg nach Kisumu - eine der vielen Teeplantagen.

 

In Kisumu angekommen sind die Mädels dann im Hostel eingecheckt und ich bin mit Tobias zu seiner „Host-Family“, in welcher ich übernachten sollte. Host-Family in Anführungsstrichen, weil das nicht so die typische Host-Family ist. Er lebt da mit einem um die 30 Jahre alten Kenianer zusammen, der vier Straßenjungs bei sich aufgenommen hat, um ihnen so ein neues zu Hause zu geben. Die Wohnung an sich ist sehr klein, Tobias teilt mit dem Kenianer ein Zimmer, die vier Jungs und manchmal auch noch Verwandtschaft des Kenianers schlafen im Wohnzimmer in einem Doppelbett. Ich muss zugeben, ich war etwas geschockt von den Verhältnissen vor Ort, auch weil es wirklich alles andere als sauber war. Wir sind dann erst mal wieder los, um mit den Mädels essen zu gehen. Nach unserer Rückkehr saßen wir dann mit dem Kenianer und seinen Jungs im Wohnzimmer und haben uns unterhalten. Und ich muss sagen, das war wirklich super klasse. Alle wahren sehr freundlich und aufgeschlossen und ich habe mich dann doch angefangen wohl zu fühlen (auch wenn ich mir das vorher nicht hatte vorstellen können). Daran sieht man mal wieder wie wichtig die Menschen um einen herum sind und, dass diese auch weniger schöne Lebensumstände und Gegebenheiten kompensieren können.

Ich ziehe wirklich meinem Hut vor diesem Kenianer, der die Jungs bei sich aufgenommen hat. Das ist wirklich ´ne super Sache. Er hat übrigens noch viele andere Projekte am laufen. Er und seine Schwester haben eine kleine Schule für Kinder, die sich das Schulgeld nicht leisten können, gegründet. Des Weiteren plant er in ein größeres Haus zu ziehen, um noch mehr Straßenkinder aufnehmen zu können u.v.m. Ich habe mich sehr gut unterhalten an diesem Abend und auch mal wieder dazu gelernt. Menschen wie ihn braucht es hier einfach und eigentlich überall auf der Welt.

Am nächsten Morgen stand dann eine Bootstour auf dem Lake Victoria an, einem der größten Seen Afrikas. Der kenianische Tourguide hat viel erzählt (habe leider nicht ganz so viel verstanden, aber egal J) und wir konnten sogar Nilpferde im Wasser beobachten. War ganz interessant das mal zu sehen.

 

Danach stand ein Marktbesuch auf dem Programm, diesen Markt zu finden, dauerte leider etwas länger und deshalb waren wir auch nur kurz dort. Danach haben wir in einem der „Restaurants“ am Lake frischen Fisch mit Sukuma (das ist ein grünes, leicht bitter schmeckendes Gemüse) gegessen. War echt gut, auch wenn’s nachher beim Bezahlen Probleme mit der Rechnung gab (sollten mal mehr viel zahlen als zuvor abgemacht). Da wir solche Spielchen nicht mit uns machen lassen, hat das dann eines der Mädels in die Hand genommen und der Servicekraft vorgerechnet, was wir nun wirklich zahlen müssen J. Das war lustig. Somit kamen wir doch noch zu unserem Recht. Ja, manchmal muss man hier schon hartnäckig sein. Man darf sich solche Dinge einfach nicht gefallen lassen.

Ereignisse, die einen rasend machen

Erst gestern wieder hatten wir ´ne heftige Auseinandersetzung mit dem Conductor unseres Matatus. Wir kamen von einem weiteren Ausflug (von dem ich hier sicher auch noch erzählen werde) zurück und wollten ein Matatu vom Zentrum hier nach Buru Buru nehmen. In der Regel sagen die Conductor vor dem Einstieg der Fahrgäste den Preis an und wenn nicht, fragt man halt danach. Es ist immer ratsam, gerade als Weißer, den Preis vorher auszuhandeln. Gestern sollten wir also 30 Schilling, das sind 30 Cent, zahlen. Das war ein guter und für diese Uhrzeit angemessener Preis. Als wir dann aber im Matatu waren und der Typ das Geld einsammeln wollte, kam es zu Stress. Er wollte auf einmal 40 Schilling von einigen von uns haben. (Zwei Schweizerinnen hatten zuvor auch nur 30 gezahlt.) Wir wollten uns das nicht gefallen lassen,  war schließlich gegen die vorher getroffene Abmachung. Es gab heiße Diskussionen, wobei es eher ein Monolog des Geldeinsammlers war, da dieser uns überhaupt nicht zu Wort kommen ließ und uns zuhören wollte. Als wir uns weigerten 40 Schilling zu zahlen, zog er erst mal wieder ab, um bei den anderen Fahrgästen abzukassieren. Als ein Teil unserer Gruppe aussteigen wollte, drohte es nochmal Ärger zu geben. Unsere Leute drückten dem Conductor einfach 30 Schillinge in die Hand und sprangen aus dem Auto.

Ich und ein paar andere mussten noch ein Stück weiter fahren. Beim Ausstieg verlangte der Typ dann auf einmal, dass ich fuer die anderen mitbezahle. Er wollte mich beim Aussteigen hindern, was ich mir aber nicht gefallen habe lassen. Bin raus und habe die Straßenseite gewechselt, um auf die anderen zu warten. Nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen waren, kam der Conductor dann hinter mir her gelaufen und machte auf offener Straße Theater. Ich solle für die anderen und für mich zahlen und so weiter und so fort. Habe mir das nicht gefallen lassen, gesagt ich sei für die anderen nicht verantwortlich und würde für mich lediglich die vereinbarten 30 Schilling bezahlen. Gesagt, getan. Der Typ gab sich aber nicht zufrieden, was einen anderen deutschen Freiwilligen dazu brachte, mich auf total anzublaffen, was ich mich denn so anstellen würde, wegen 10 Bob (so werden Schillinge hier auch genannt). Ich dachte ich hör nicht richtig. Habe ihm gesagt, er solle sich abregen und bin gegangen. Geht ihn doch schließlich nichts an, wie wir das handhaben (zumal ich ja mit meiner Haltung nicht allein da stand). Man darf sich solche Dinge einfach nicht gefallen lassen. Die können uns nicht veräppeln. Ich glaube, ich bin mittlerweile sehr gewieft was so etwas angeht. Beharre auf mein Recht und damit habe ich auch in der Regel Erfolg. Sehe es gar nicht ein aufgrund meiner Hautfarbe irgendwo mehr zu zahlen.

Weil ich immer so viel von Matatus rede, hier auch mal ein Bild emotion. Ihr erinnert euch? Das sind die Gefaehrte mit uebelst lauter Hip Hop- und Reagge-Musik und sogar Bildschirmen im Innenraum, auf welchen Musikvideos gezeigt werden emotion (manchmal auch auf der Heckscheibe, so haben dann auch die anderen Verkehrsteilnehmer was davon). Mag das Matatu-Fahren total emotion.

8.6.09 17:14

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